Von Ulla Niemann
Liebe Leser, in der Kolumne „Platzsuche“ beschäftigen wir uns mit der Verortung von Personen und Gegebenheiten im Alltag. Heute bin ich mal selbst die Person und die Verortung ist mein Umzug.
Ja, ganz recht, ich bin umgezogen. Sie selbst haben das sicherlich auch schon mal erlebt. Spannende Sache. Unplanbar. - Ja, ganz richtig, denn trotz sorgsamer Vorbereitung (jetzt wird der eine oder die andere aus meinem Freundeskreis vielleicht lachen und sagen, dass Vorbereitung das Packen von Umzugskartons und das rechtzeitige Alarmieren des Umzugtrupps beinhalten sollte … ) warteten einige Überraschungen auf mich und meine fleißigen Helfer.
Geplant war, alle sperrigen Möbel an einem Samstag zu transportieren. Anhänger und Zugfahrzeug waren organisiert, Kartons waren gepackt (gut, ich hatte nur drei …), Verpflegung für die Helfer bestellt. Doch dann, am Vorabend, als ich mit meinem Schwager die Möbel meines neuen Schlafzimmers zusammenschraubte, fiel mir Wasser im Wohnzimmer auf. Es tropfte. Unter dem Heizungskörper bildete ich eine Pfütze – auf dem Laminat. Nicht gut. Gar nicht gut.
Noch weniger gut war, dass das Wasser nicht vom Heizungskörper kam, sondern aus der Wand. Mein Schwager, ein Freund weniger und klarer Worte, sagte: „Mhm, das Heizungsrohr? Dann müssen wir die Wand aufkloppen“. Worte, die man einen Tag vorm Umzug gar nicht gerne hört.
Ich setzte also einen Notruf ab. Und wenige Minuten später war Erik da. Erik ist ein Freund von mir, der sich um Wasserrohre und Heizungsrohre kümmert und eigentlich nie flucht, immer ruhig ist und nett lächelt. Bis zu diesem Abend. Schnell erkannte er die Ursache. Unter wüsten Beschimpfungen und Verwünschungen entfernte er die Fußleisten, die der Maler sorgsam in das Heizungsrohr genagelt hatte. Daumendick waren die Nägel am Ende (das Ende, das im Wasser war) korrodiert.
Dann stellte er – immer noch schimpfend - das Wasser ab und die Heizung aus. „Das Rohr muss aus ausgetauscht werden“ (einzig zitierbarer Satz zwischen vielen Worten, die man im Fernsehen mit einem Pieeep übertönt). Mein Schwager, der die Angst in meinen Augen gesehen hatte als er von „Wand“ und „aufkloppen“ sprach, schlug vor, die Leitung aufputz zu verlegen, was Erik nicht so gut fand.
Am Samstag dann fuhren wir nur so viel Möbel von der alten Wohnung in das neue Häuschen, dass noch ausreichend Platz zum Wandaufkloppen blieb. Samstagabend rückten dann Erik und Tobias an und tauschten das Rohr aus (Ja, man sollte immer fünf Meter Kupferrohr im Keller haben, man weiß ja nie). Montag kam dann der Maler und verputzte mit schamgebeugten Haupt die Wand neu, tapezierte und klebte (Nägel hatte ich verboten) die Fußleisten wieder fest. So dass die Woche drauf der Umzug weitergehen konnte und zu einem guten Ende gebracht wurde.
Einziger Wermutstropfen: Mein Rosenkavalier wurde wohl von dem ganzen Hin und Her abgeschreckt - oder er hat die Verortung nicht mitbekommen. Jedenfalls hatte ich am Sonntag keine Rose an meinem Auto.

Begrifflichkeiten
1. Verorten: http://de.wiktionary.org/wiki/verorten
2. Eine Kolumne darf sowas ;-)